Cannabis-Blütephase: Pflege, Dauer und wichtige Tipps

Rote Hanfpflanze in der Blüte

In der Blütephase verändert sich der Cannabis-Anbau deutlich: Photoperiodische Pflanzen wechseln bei kürzeren Tagen beziehungsweise einem angepassten Lichtzyklus vom vegetativen Wachstum zur Blütenbildung. Jetzt verändern sich auch die Anforderungen an Nährstoffversorgung und Pflege. Gleichzeitig werden Klima und Luftbewegung wichtiger, denn mit zunehmend dichten Blüten steigt das Risiko für Schimmel.

Wie lange die Blüte dauert und wie stark sich eine Pflanze dabei verändert, hängt vor allem von ihrer Genetik und den Anbaubedingungen ab. Einige Grundprinzipien gelten jedoch für fast alle Pflanzen.

Wie lässt sich die Blütenbildung einleiten?

Bei photoperiodischen Cannabispflanzen wird die Blütenbildung wesentlich über die Tageslänge gesteuert. Indoor kannst du diesen Wechsel gezielt einleiten, Outdoor übernimmt das der natürliche Jahresverlauf.

Photoperiodische Pflanzen indoor

Während der Wachstumsphase werden photoperiodische Pflanzen häufig mit 18 Stunden Licht und 6 Stunden Dunkelheit kultiviert. Für die Blüte wird der Lichtzyklus üblicherweise auf 12 Stunden Licht und 12 Stunden Dunkelheit umgestellt.

Die Dunkelphase sollte möglichst ungestört bleiben. Vermeide deshalb dauerhaftes oder wiederkehrendes Fremdlicht in der Growbox. Wie empfindlich eine Pflanze auf solche Störungen reagiert, hängt unter anderem von Genetik, Lichtstärke, Dauer und Entwicklungsstadium ab.

Es muss also nicht wegen jeder kleinen Kontrollleuchte Panik entstehen. Eine zuverlässig dunkle Nachtphase ist dennoch die sinnvollste Grundlage für eine stabile Blüte.

Photoperiodische Pflanzen outdoor

Outdoor beginnt die Blüte nicht automatisch direkt nach der Sommersonnenwende. Zwar werden die Tage ab diesem Zeitpunkt wieder kürzer, entscheidend ist aber, wann die Tageslänge für die jeweilige Genetik kurz genug geworden ist.

Deshalb können verschiedene Sorten am selben Standort zu unterschiedlichen Zeiten mit der Blüte beginnen. Frühblühende Sorten zeigen mitunter bereits im Hochsommer deutliche Blütenansätze, während andere erst später folgen.

Autoflowering-Sorten

Autoflowering-Cannabis ist weitgehend unabhängig von einer Verkürzung der Tageslänge. Die Pflanzen beginnen nach einer genetisch bestimmten Entwicklungszeit selbstständig zu blühen.

Eine Umstellung auf 12/12 ist deshalb nicht erforderlich. Indoor werden Autoflower häufig während ihres gesamten Lebenszyklus mit einem längeren Lichttag wie 18/6 kultiviert.

Stretch, Geschlecht und Blühdauer

Mit Beginn der Blüte stellt die Pflanze ihr Wachstum nicht sofort ein. Gerade in den ersten Wochen kann sie noch einmal deutlich an Höhe und Volumen zulegen. Dieser Wachstumsschub wird häufig als Stretch bezeichnet.

Wie stark der Stretch ausfällt, hängt vor allem von der Genetik ab. Manche Pflanzen wachsen nach der Umstellung nur moderat weiter, andere können ihre Höhe annähernd verdoppeln oder noch stärker zulegen. Plane deshalb bereits vor Beginn der Blüte ausreichend Platz und Abstand zur Lampe ein.

Wenn du die Pflanzenhöhe gezielt kontrollieren möchtest, sollten Methoden wie LST, Topping oder ein SCROG-Netz möglichst schon während der Wachstumsphase vorbereitet werden. Wie diese Methoden funktionieren, erklären wir ausführlicher im Artikel Pflanzentraining bei Cannabis.

Männliche und weibliche Pflanzen erkennen

Bei regulärem Saatgut ist der Beginn der Blüte auch der Zeitpunkt, an dem sich das Geschlecht der Pflanzen zunehmend erkennen lässt.

Weibliche Pflanzen bilden an den Knoten kleine Blütenanlagen, aus denen typischerweise feine helle Narbenfäden wachsen.

Männliche Pflanzen entwickeln dagegen kleine rundliche Blütenanlagen, aus denen später Pollensäcke entstehen.

Wenn du unbestäubte weibliche Blüten ernten möchtest, sollten eindeutig männliche Pflanzen rechtzeitig von den weiblichen getrennt werden, bevor sie Pollen freisetzen.

Bei feminisiertem Saatgut ist die Wahrscheinlichkeit männlicher Pflanzen deutlich geringer. Trotzdem lohnt sich während der Blüte eine regelmäßige Kontrolle.

Wie lange dauert die Blüte?

Die Blühdauer hängt stark von der Genetik ab. Bei vielen photoperiodischen Sorten liegt sie ungefähr zwischen sieben und zwölf Wochen, einige benötigen jedoch länger.

Die klassische Einteilung in kurze „Indica-Blüte“ und lange „Sativa-Blüte“ kann als grobe Orientierung dienen, ist aber nicht zuverlässig genug, um daraus den Erntezeitpunkt abzuleiten.

Orientiere dich deshalb zunächst an den Angaben des Züchters und vor allem an der tatsächlichen Entwicklung deiner Pflanzen.

Bei Outdoor-Pflanzen spielen zusätzlich Standort, Wetter und Jahreszeit eine Rolle.

Klima und Luftfeuchtigkeit während der Blüte

Je größer und dichter die Blüten werden, desto wichtiger wird das Klima.

Eine Temperatur von ungefähr 20 bis 26 °C funktioniert für viele Sorten gut. Entscheidend ist jedoch weniger ein einzelner Idealwert als ein möglichst stabiles Klima ohne extreme Hitze oder starke Schwankungen.

Besonders wichtig ist die Luftfeuchtigkeit.

Zu Beginn der Blüte sind moderate Werte meist noch problemlos. Mit zunehmender Blütendichte sollte die relative Luftfeuchtigkeit jedoch eher sinken. Als praktische Orientierung können während der Blüte ungefähr 40 bis 60 Prozent dienen, wobei gegen Ende eher der untere Bereich sinnvoll ist.

Warum das wichtig ist, sieht man der Pflanze von außen nicht immer an: Im Inneren dichter Blüten kann die Luftfeuchtigkeit deutlich höher sein als im übrigen Growraum.

Gute Luftbewegung schützt die Blüten

Eine gleichmäßige Luftbewegung hilft, feuchte Luft zwischen Blättern und Blüten abzutransportieren.

Ventilatoren sollten die Pflanzen jedoch nicht dauerhaft mit starkem Luftstrom anblasen. Ziel ist eine sanfte Bewegung der Luft im gesamten Anbauraum.

Zusammen mit einer funktionierenden Abluft ist das eine der wichtigsten Maßnahmen gegen Blütenfäule.

Gießen und Düngen: Was braucht Cannabis jetzt?

Auch während der Blüte gilt beim Gießen: Nicht nach einem starren Kalender arbeiten, sondern nach dem tatsächlichen Wasserbedarf der Pflanze.

Lass das Substrat zwischen den Wassergaben ausreichend abtrocknen, ohne die Pflanze regelmäßig stark austrocknen zu lassen. Wie oft gegossen werden muss, hängt unter anderem von Topfgröße, Substrat, Pflanzengröße, Temperatur und Luftfeuchtigkeit ab.

Vermeide es möglichst, die Blüten selbst nass zu machen.

Braucht Cannabis in der Blüte besonders viel Phosphor und Kalium?

Häufig wird empfohlen, während der Blüte Stickstoff stark zu reduzieren und dafür möglichst viel Phosphor und Kalium zuzuführen. Diese einfache Formel greift jedoch zu kurz.

Cannabis benötigt auch während der Blüte weiterhin Stickstoff, Phosphor, Kalium und weitere Nährstoffe in einem ausgewogenen Verhältnis. Mehr Phosphor oder Kalium führt nicht automatisch zu größeren oder dichteren Blüten.

Untersuchungen zur Nährstoffversorgung zeigen, dass der Blütenertrag auf die Versorgung mit Stickstoff und Phosphor reagieren kann. Sehr hohe Nährstoffgaben sind deshalb aber nicht automatisch besser. In einer Untersuchung führte eine weitere Erhöhung der Kaliumversorgung innerhalb des getesteten Bereichs beispielsweise nicht zu einem höheren Blütenertrag.

Wenn du ein abgestimmtes Düngesystem verwendest, kannst du während der Blüte auf den dafür vorgesehenen Blütedünger wechseln und dich zunächst an der empfohlenen Dosierung orientieren.

Zusätzliche PK-Booster sind nicht grundsätzlich notwendig. Dabei handelt es sich um Düngerzusätze mit besonders hohen Anteilen an Phosphor (P) und Kalium (K), die vor allem während der mittleren oder späteren Blüte eingesetzt werden. Sie sollen die Blütenentwicklung unterstützen – mehr PK bedeutet jedoch nicht automatisch mehr Ertrag.

Beobachte stattdessen die Pflanze: Blattfarbe, Wachstum, Blattspitzen und Gesamtentwicklung liefern meist bessere Hinweise als der Gedanke, dass mehr Dünger automatisch mehr Blüten bedeutet.

Schimmel, Mehltau und andere Probleme in der Blüte

Mit zunehmender Blütendichte verändert sich auch die Art der Probleme, auf die du achten solltest. Besonders relevant sind Blütenfäule durch Botrytis und – vor allem beim Outdoor- und Balkon-Grow – Mehltau.

Blütenfäule früh erkennen

Botrytis entwickelt sich häufig im Inneren dichter Blüten. Auffällig können sein:

  • braune oder graue Stellen innerhalb der Blüte,
  • plötzlich vertrocknende kleine Blätter mitten in einer ansonsten gesunden Blüte,
  • weiches oder verfärbtes Pflanzengewebe,
  • grauer oder weißlicher Pilzbelag bei fortgeschrittenem Befall.

Verdächtige Blüten solltest du genauer untersuchen. Befallenes Pflanzenmaterial sollte großzügig entfernt werden, damit sich der Pilz nicht weiter ausbreitet.

Die beste Vorbeugung besteht darin, Feuchtigkeit in dichten Blüten gar nicht erst dauerhaft entstehen zu lassen. Eine passende Luftfeuchtigkeit, ausreichend Abstand zwischen den Pflanzen und gute Luftbewegung sind dafür besonders wichtig.

Mehltau bei Outdoor- und Balkonpflanzen

Mehltau zeigt sich meist zunächst als weißlicher, mehliger Belag auf Blättern und Stängeln. Gerade beim Outdoor- oder Balkon-Grow kann er sich während der Blüte weiter ausbreiten und schließlich auch die Blüten selbst befallen.

Entdeckst du einzelne befallene Blätter frühzeitig, kann deren Entfernung die Ausbreitung zunächst bremsen. Ein bereits etablierter Befall lässt sich dadurch jedoch häufig nicht dauerhaft stoppen, da der Pilz bereits weitere Pflanzenteile besiedelt haben kann.

Deshalb solltest du einen Mehltaubefall während der fortgeschrittenen Blüte besonders aufmerksam beobachten. Breitet er sich trotz Entfernung befallener Pflanzenteile weiter aus und liegt der reguläre Erntezeitpunkt ohnehin nicht mehr weit entfernt, kann eine frühere Ernte sinnvoller sein, als einen zunehmenden Befall der Blüten zu riskieren.

Sichtbar von Mehltau oder anderer Pilzbildung befallene Blüten sollten nicht mehr verwendet werden.

Vorbeugend helfen ausreichend Abstand zwischen den Pflanzen, gute Luftbewegung und regelmäßige Kontrollen – besonders bei feuchter Witterung und in der späteren Blüte.

Schädlinge während der Blüte

Auch Spinnmilben, Thripse oder andere Schädlinge können weiterhin auftreten.

Während sich bereits Blüten entwickeln, solltest du besonders darauf achten, was direkt auf die Blüten gelangt. Ölhaltige Spritzmittel wie Neemöl eignen sich dort zunehmend schlechter.

Welche Maßnahmen sich bei welchem Schädling anbieten, erklären wir ausführlich im Artikel Cannabis-Pflege: Schädlinge und Krankheiten erkennen.

Schwere Blüten rechtzeitig stützen

Mit zunehmendem Gewicht können einzelne Seitentriebe nach unten hängen oder sogar abknicken.

Bambusstäbe, Pflanzenstützen, Pflanzen-Yoyos oder ein vorhandenes SCROG-Netz können die Äste entlasten. Warte damit nicht unbedingt, bis ein Trieb bereits geknickt ist.

Von der Blüte zur Ernte

In der Blütephase kommt es weniger darauf an, ständig etwas zu verändern, als stabile Bedingungen zu schaffen.

Achte besonders auf einen zuverlässigen Lichtzyklus, eine ausgewogene Nährstoffversorgung, gute Luftbewegung und die zunehmende Feuchtigkeit innerhalb dichter Blüten. Outdoor und auf dem Balkon gehört außerdem Mehltau zu den Problemen, die du in dieser Phase regelmäßig kontrollieren solltest.

Gegen Ende rückt dann die nächste Frage in den Mittelpunkt: Woran erkennst du, dass deine Cannabispflanze erntereif ist?

Die Blühdauer allein reicht dafür nicht aus. Entscheidend sind die tatsächliche Entwicklung der Blüten und weitere Reifezeichen, die wir im Artikel Cannabis ernten: Den richtigen Erntezeitpunkt erkennen ausführlich erklären.

Quellen