Cannabis Edibles: Wirkung, Essen und Trinken
Cannabis Edibles: Wirkung, Essen und Trinken
Cannabis lässt sich nicht nur rauchen oder verdampfen, sondern auch essen und trinken. Solche Lebensmittel und Getränke heißen Edibles. Besonders bekannt sind Cannabis-Brownies, Kekse, Cannabutter und Cannabis-Tee. Anders als beim Inhalieren setzt die Wirkung verzögert ein und hält deutlich länger an. Entscheidend sind deshalb die enthaltene THC-Menge und ausreichend Geduld.
Cannabis Edibles und ihre Wirkung
Edibles enthalten Cannabinoide wie THC oder CBD, die über Lebensmittel oder Getränke aufgenommen werden. Ein Teil des aufgenommenen THC wird in der Leber zu ebenfalls psychoaktivem 11-Hydroxy-THC umgewandelt. Deshalb kann sich der Rausch deutlich vom Rauchen oder Verdampfen unterscheiden: Die Wirkung beginnt später, hält länger an und kann intensiver ausfallen.
Wirkungseintritt und Wirkungsdauer
| Eigenschaft | Edibles | Rauchen/Verdampfen |
|---|---|---|
| Wirkungseintritt | 30–120 Minuten, teils später | Sekunden bis Minuten |
| Stärkste Wirkung | Häufig nach 2–4 Stunden | Meist nach 10–30 Minuten |
| Wirkungsdauer | Häufig 4–8 Stunden, teils länger | Meist 2–4 Stunden |
| Aufnahme | Verdauungstrakt | Lunge |
Die Angaben sind Richtwerte. Edibles können bis zu zwölf Stunden wirken; einzelne Beeinträchtigungen können länger bestehen bleiben.
Intensiver Rausch und Set und Setting
Der Rausch durch Edibles kann anders wahrgenommen werden als beim Inhalieren. Zeitgefühl, Gedanken und Sinneseindrücke können sich deutlich verändern. Bei hohen THC-Mengen sind sogar psychedelisch anmutende Erfahrungen möglich. Das bedeutet nicht, dass THC dieselbe Wirkung wie klassische Psychedelika hat. Auch Angst, Verwirrung und Panik sind möglich.
Deshalb sind Set und Setting besonders wichtig: Set bezeichnet deine psychische und körperliche Verfassung, Setting die Umgebung. Wer krank, stark gestresst oder psychisch belastet ist, sollte auf THC verzichten. Eine vertraute, friedliche Umgebung und gegebenenfalls eine nüchterne Vertrauensperson können helfen, bieten aber keinen sicheren Schutz vor unangenehmen Wirkungen. Bei einer persönlichen oder familiären Vorgeschichte psychotischer Erkrankungen ist vom THC-Konsum abzuraten.
Cannabis in Lebensmitteln und Getränken
Für Edibles werden häufig Cannabutter, Cannabisöl oder geeignete Extrakte verwendet. Damit lassen sich süße und herzhafte Speisen sowie Getränke zubereiten.
Cannabutter und Cannabisöl
Cannabutter eignet sich beispielsweise für Brownies, Kekse und Kuchen. Cannabisöl lässt sich auch in Dressings, Saucen oder anderen Gerichten verwenden. Da THC und CBD fettlöslich sind, nutzt man häufig Butter, Kokos- oder Olivenöl als Träger.
Damit aus dem in frischen Cannabisblüten vorkommenden THCA psychoaktives THC entsteht, ist eine Decarboxylierung erforderlich. Beim Erhitzen wird THCA in THC umgewandelt; Zeit und Temperatur hängen vom Material und Verfahren ab. Mehr zu den Grundlagen findest du im Ratgeber Cannabis weiterverarbeiten.
Brownies, Kekse und andere Speisen
Zu den bekannten Edibles zählen Brownies, Kekse, Kuchen, Schokolade und Süßigkeiten. Auch Joghurt-, Quark-, Käse- und Sahnedesserts sowie Brotaufstriche, Dressings, Saucen und herzhafte Gerichte kommen infrage.
Entscheidend ist die enthaltene THC-Menge, nicht die Art des Lebensmittels. Bei selbstgemachten Edibles kann der Wirkstoff ungleichmäßig verteilt sein. Zwei gleich große Portionen müssen daher nicht gleich stark wirken; die Zutaten sollten möglichst gleichmäßig vermischt werden.
Cannabis-Tee und Getränke
Auch Tee, Kaffee, Kakao, Milchgetränke und Smoothies können Cannabis enthalten. Beispiele sind Bulletproof Coffee mit Cannabutter oder Cannabis-Kokosöl und heißer Kakao mit solchen fetthaltigen Zutaten. Auch fettreiche Ziegen- oder Schafmilch kann als Grundlage für Kakao dienen.
THC ist kaum wasserlöslich. Ein einfacher Aufguss unbehandelter Cannabisblüten mit heißem Wasser enthält deshalb in der Regel nur wenig THC. Fetthaltige Zutaten können als Träger dienen, garantieren aber weder eine gleichmäßige Verteilung noch eine verlässliche Dosierung. Öl vermischt sich nicht automatisch gleichmäßig mit Wasser.
Bei Kaffee ist eine koffeinfreie Variante (Decaf) vorzuziehen, da Koffein Unruhe, Nervosität und Herzklopfen verstärken kann. Koffeinfreier Kaffee vermeidet diese zusätzliche Belastung weitgehend, verändert aber nicht zuverlässig die THC-Wirkung.
THC-Dosierung bei Edibles
Weil die Wirkung verzögert einsetzt, kann vorschnelles Nachlegen zu einer deutlich stärkeren Wirkung führen als beabsichtigt. Als vorsichtigen Orientierungswert für unerfahrene Erwachsene nennen kanadische Gesundheitsbehörden höchstens 2,5 mg THC für eine erste Portion. Die individuelle Empfindlichkeit schwankt stark.
Bei selbstgemachten Edibles ist die Wirkstoffmenge oft unbekannt. Angaben wie „ein Teelöffel Cannabisöl“ oder „ein kleines Stück Brownie“ sind daher keine verlässlichen Dosierungsangaben. Da die volle Wirkung erst nach bis zu vier Stunden erreicht werden kann, sollte vor einer erneuten Einnahme entsprechend lange gewartet werden. Alkohol kann die Beeinträchtigung zusätzlich verstärken.
Aufbewahrung: THC-haltige Lebensmittel eindeutig kennzeichnen und für Kinder und Haustiere unzugänglich aufbewahren. Gerade Süßigkeiten können leicht mit gewöhnlichen Lebensmitteln verwechselt werden.
CBD-Edibles ohne THC-Rausch
Neben THC-haltigen Edibles gibt es Lebensmittel und Getränke mit Cannabidiol (CBD). CBD verursacht nicht den für THC typischen Rausch, besitzt aber eigene pharmakologische Eigenschaften und kann mit Medikamenten wechselwirken. Bei CBD-Lebensmitteln sind auch die Inhaltsstoffe und die rechtliche Zulässigkeit zu beachten.
Edibles im Vergleich zum Verdampfen
Edibles ermöglichen die Aufnahme von Cannabis ohne Rauch oder Aerosole zu inhalieren. Dafür beginnt ihre Wirkung langsamer und lässt sich weniger unmittelbar einschätzen. Beim Verdampfen von Cannabis ist die Wirkung bereits nach wenigen Minuten spürbar. Einen breiteren Überblick bietet der Ratgeber zu den Cannabis-Konsumformen.
Fazit
Cannabis Edibles sind eine rauchfreie Konsumform mit verzögertem Wirkungseintritt und vergleichsweise langer Wirkungsdauer. Der Rausch kann intensiver ausfallen als beim Inhalieren und bei hohen THC-Mengen psychedelisch anmutende Züge annehmen. Besonders wichtig sind deshalb eine vorsichtige Einschätzung der THC-Menge, ausreichend Geduld, Set und Setting sowie eine sichere Aufbewahrung.
Quellen
- What You Need to Know if You Choose to Consume Cannabis – Health Canada
- Cannabis for Medical Purposes: Using a Cannabis Product – Health Canada
- Pharmacokinetic Profile of Oral Cannabis in Humans – Journal of Analytical Toxicology (2017)
- Council of Chief Medical Officers of Health Statement on Cannabis Extracts, Edibles and Topical Products – Public Health Agency of Canada (2020)


