Wirkstoffe in Hanf: Cannabinoide, Terpene und Flavonoide
In den Blüten der Hanfpflanze stecken weit mehr Wirkstoffe als THC und CBD. Cannabinoide bestimmen vor allem den Grundcharakter, während Terpene für Geruch und Geschmack sorgen. Flavonoide ergänzen das natürliche Pflanzenprofil.
Gemeinsam machen diese Stoffe jede Hanfblüte unverwechselbar. Ihre Zusammensetzung hängt von der Genetik, dem Reifegrad und dem Umgang mit der Ernte ab.
Wo stecken die Wirkstoffe?
Die höchste Konzentration an Cannabinoiden und Terpenen befindet sich im Harz der weiblichen Blüten. Produziert und gespeichert wird es in den sogenannten Trichomen. Diese winzigen Harzdrüsen sitzen besonders dicht auf den Blüten und den kleinen blütennahen Blättern.
Unter einer Lupe sehen reife Trichome wie kleine Stiele mit kugelförmigen Köpfen aus. In diesen Köpfen sammelt sich ein großer Teil der Stoffe, die später Aroma, Geschmack und Wirkung der Blüte prägen.
Cannabinoide werden nicht in den Samen gebildet, sondern vor allem in den Blüten meist samenloser weiblicher Hanfpflanzen. Wie die Harzdrüsen und die übrigen Pflanzenteile aufgebaut sind, zeigt der Artikel über die Anatomie der Hanfpflanze.
Cannabinoide: THC, CBD und weitere Pflanzenstoffe
Cannabinoide sind die bekanntesten Wirkstoffe der Hanfpflanze. THC und CBD stehen meist im Mittelpunkt, daneben kommen zahlreiche weitere Cannabinoide vor. Viele davon sind nur in kleinen Mengen enthalten.
THC: der wichtigste berauschende Wirkstoff
THC ist hauptsächlich für den typischen Cannabisrausch verantwortlich. Wie stark dieser ausfällt, lässt sich jedoch nicht allein am Prozentwert ablesen. Auch die verwendete Menge, die Konsumform und die persönliche Reaktion spielen eine wichtige Rolle.
Ein höherer THC-Wert weist grundsätzlich auf ein stärkeres berauschendes Potenzial hin. Zwei Blüten mit einem ähnlichen THC-Gehalt können trotzdem unterschiedlich wahrgenommen werden.
CBD: nicht berauschend wie THC
CBD erzeugt keinen mit THC vergleichbaren Rausch. Es kann das Gesamtprofil einer Blüte beeinflussen, wirkt aber nicht automatisch als Gegenspieler oder „Bremse“ von THC.
Wie THC und CBD zusammenspielen, hängt unter anderem von ihrem Verhältnis und der jeweils aufgenommenen Menge ab. Die einfache Regel „mehr CBD bedeutet weniger THC-Wirkung“ greift deshalb zu kurz.
CBG: Ausgangspunkt weiterer Cannabinoide
CBG kommt in vielen reifen Blüten nur in geringen Mengen vor. Seine natürliche Vorstufe CBGA spielt für die Pflanze dennoch eine wichtige Rolle: Aus ihr entstehen während der Blütenentwicklung unter anderem die Vorstufen von THC und CBD.
Ein großer Teil des vorhandenen CBGA wird dabei weiterverarbeitet. Deshalb bleibt am Ende häufig nur wenig CBG übrig.
CBN: ein Zeichen der Veränderung
CBN entsteht hauptsächlich, wenn THC altert und dabei Licht, Wärme oder Sauerstoff ausgesetzt ist. Ein höherer CBN-Anteil kann daher darauf hinweisen, dass eine Blüte bereits länger gelagert wurde.
Dabei verändert sich nicht nur das THC. Gleichzeitig können Terpene verloren gehen, wodurch das Aroma schwächer und weniger frisch erscheint.
Weitere Cannabinoide
Neben THC, CBD, CBG und CBN enthält Hanf weitere Cannabinoide wie CBC oder THCV. Ihr Anteil unterscheidet sich je nach Genetik und Pflanze teilweise deutlich.
Für eine einfache Einordnung sind zunächst der THC- und CBD-Anteil am wichtigsten. Kleinere Cannabinoide ergänzen das Profil, lassen aber für sich allein keine zuverlässige Aussage über die spätere Wirkung zu.
Warum in der frischen Pflanze zunächst THCA und CBDA stecken
Die frische Hanfpflanze bildet nicht direkt große Mengen THC und CBD. Stattdessen enthält sie hauptsächlich deren natürliche Vorstufen THCA und CBDA.
Erst durch Wärme werden diese Stoffe weitgehend in THC und CBD umgewandelt. Dieser Vorgang heißt Decarboxylierung. Er findet beispielsweise beim Rauchen, Verdampfen oder beim Erhitzen für die Zubereitung von Cannabisbutter oder -keksen statt.
Auch beim Trocknen und Lagern verändert sich das Cannabinoidprofil langsam. Wärme beschleunigt diese Vorgänge, während eine kühle und dunkle Lagerung die vorhandene Zusammensetzung länger erhält.
Terpene bestimmen Geruch und Geschmack
Terpene sind Duftstoffe, die in zahlreichen Pflanzen vorkommen. Bei Hanf sorgen sie für die große Bandbreite an zitrischen, fruchtigen, erdigen, blumigen, harzigen oder würzigen Aromen.
Zu den häufig vorkommenden Terpenen gehören:
- Myrcen: erdig, würzig und teilweise moschusartig
- Limonen: frisch und an Zitrusschalen erinnernd
- Pinen: harzig und kiefernartig
- Linalool: blumig und an Lavendel erinnernd
- Beta-Caryophyllen: pfeffrig, holzig und würzig
- Humulen: trocken, krautig und hopfenähnlich
Das Terpenprofil erklärt vor allem, weshalb zwei Hanfblüten völlig unterschiedlich riechen und schmecken können. Auch bei ähnlich hohen THC-Werten kann ihr Charakter dadurch sehr verschieden erscheinen.
Bestimmten Terpenen werden häufig anregende, entspannende oder stimmungsaufhellende Eigenschaften zugeschrieben. Solche einfachen Zuordnungen sind jedoch nicht zuverlässig genug, um daraus eine bestimmte Wirkung vorherzusagen. Ein zitrisches Aroma bedeutet daher nicht automatisch eine anregende Wirkung, ebenso wenig muss ein erdiges Profil grundsätzlich entspannend sein.
Welche Rolle spielen Flavonoide?
Flavonoide sind natürliche Pflanzenstoffe, die unter anderem an der Färbung und am Schutz der Hanfpflanze beteiligt sind. Sie helfen ihr beispielsweise beim Umgang mit UV-Strahlung und anderen Umwelteinflüssen.
In Hanf kommen sowohl weit verbreitete Flavonoide wie Quercetin und Kaempferol als auch die charakteristischen Cannflavine vor. Im Vergleich zu Cannabinoiden und Terpenen stehen sie deutlich weniger im Mittelpunkt.
Ihr genauer Einfluss auf das Erleben einer Hanfblüte lässt sich bislang nicht zuverlässig bestimmen. Für die Pflanze erfüllen Flavonoide dennoch wichtige Aufgaben.
Was verändert das Wirkstoffprofil?
Die Genetik gibt die grundlegende Richtung vor. Sie bestimmt beispielsweise, ob eine Pflanze überwiegend THC, überwiegend CBD oder ein ausgeglicheneres Verhältnis beider Cannabinoide bilden kann.
Wie sich dieses Potenzial entwickelt, hängt auch von der einzelnen Pflanze und ihren Umweltbedingungen ab. Licht, Temperatur, Versorgung und Reifegrad beeinflussen die Ausbildung der Blüten und ihrer Harzdrüsen. Mehr dazu erklärt der Artikel über Genotyp und Phänotyp bei Hanf.
Nach der Ernte verändert sich das Profil weiter:
- Wärme kann die Umwandlung von Cannabinoiden beschleunigen.
- Licht und Sauerstoff fördern den Abbau empfindlicher Stoffe.
- Terpene können sich verflüchtigen.
- THC kann sich mit der Zeit teilweise zu CBN verändern.
Trocknung, Aushärtung und Lagerung entscheiden deshalb mit darüber, wie viel vom ursprünglichen Aroma und Wirkstoffprofil erhalten bleibt. Die einzelnen Schritte werden in den Artikeln zum Trocknen, Aushärten und Aufbewahren von Cannabis ausführlicher behandelt.
Was verrät ein Wirkstoffprofil wirklich?
Ein Wirkstoffprofil ist wie ein Steckbrief der Blüte. Der THC- und CBD-Anteil zeigt die grundlegende Zusammensetzung. Das Terpenprofil verrät vor allem, welche Aromen und Geschmacksnoten zu erwarten sind.
Eine genaue Wirkung lässt sich aus diesen Angaben nicht ableiten. Neben den enthaltenen Stoffen beeinflussen auch die verwendete Menge, die Konsumform und die persönliche Wahrnehmung das Ergebnis. Wie unterschiedlich Hanf verwendet werden kann, zeigen die verschiedenen Artikel der Kategorie Konsum.
In diesem Zusammenhang wird häufig vom Entourage-Effekt gesprochen. Dahinter steht die Annahme, dass Cannabinoide, Terpene und weitere Pflanzenstoffe gemeinsam anders wirken können als ein einzelner isolierter Stoff.
Ob und wie stark bestimmte Kombinationen die Wirkung beeinflussen, ist noch nicht abschließend geklärt. Eine feste Formel nach dem Muster „Cannabinoid A plus Terpen B ergibt Wirkung C“ gibt es nicht.
Trotzdem bietet das Wirkstoffprofil eine gute Orientierung: Es zeigt, welche Wirkstoffe eine Blüte enthält, wie hoch die Anteile von THC und CBD sind und welches Aroma zu erwarten ist. Damit sagt es meist mehr aus als ein Sortenname oder die einfache Einteilung in Sativa und Indica.
Quellen
- Cannabis sativa: origin and history, glandular trichome development, and cannabinoid biosynthesis – Horticulture Research (2023)
- Cannabinoids, Phenolics, Terpenes and Alkaloids of Cannabis – Molecules (2021)
- Acidic Cannabinoid Decarboxylation – Cannabis and Cannabinoid Research (2022)
- Does the “Entourage Effect” in Cannabinoids Exist? A Narrative Scoping Review – Cannabis and Cannabinoid Research (2023)
- Cannabis and Cannabinoid Signaling: Research Gaps and Opportunities – Journal of Pharmacology and Experimental Therapeutics (2024)


