Herkunft von Hanf: Wo Cannabis ursprünglich herkommt
Die Herkunft von Hanf liegt wahrscheinlich in einem größeren Raum Ost- und Zentralasiens. Die Frage nach dem Ursprung hat dabei mehrere Ebenen: Wo entwickelte sich Cannabis, wo wurde Hanf erstmals gezielt angebaut und wie gelangte die Pflanze in andere Regionen?
Nach heutigem Forschungsstand wurde Cannabis wahrscheinlich bereits vor rund 12.000 Jahren in Ostasien domestiziert. Von dort gelangte die Pflanze durch Migration, Handel und gezielten Anbau in weitere Regionen. Welche Merkmale davon heute noch in modernen Sorten erkennbar sind, erklären wir im Beitrag Cannabis-Genetik: Was die Gene deiner Hanfpflanze bestimmen.
Wo liegt der Ursprung von Cannabis?
Lange galt Zentralasien mit Regionen wie Kasachstan, dem Altai und angrenzenden Gebieten als wahrscheinlichste Ursprungsregion von Cannabis. Neuere Forschung zeichnet ein differenzierteres Bild.
Die evolutionären Wurzeln von Cannabis werden im weiteren Raum Ost- und Zentralasiens vermutet, möglicherweise in der Nähe des nordöstlichen Tibetischen Plateaus. Die frühe Domestikation fand nach aktuellen Genomdaten dagegen wahrscheinlich in Ostasien statt, insbesondere im Gebiet des heutigen China.
„Ursprung“ bezeichnet daher nicht zwingend einen einzigen Ort. Der evolutionäre Ursprung, die frühe Nutzung durch Menschen und die spätere Verbreitung können geografisch voneinander abweichen.
Vereinfacht lässt sich die Entwicklung so einordnen:
- Evolutionäre Wurzeln: wahrscheinlich Ost- und Zentralasien
- Frühe Domestikation: vermutlich Ostasien, besonders das heutige China
- Spätere regionale Anpassung: unter anderem in Zentralasien, Südasien und dem Himalaya
Wie wurde Hanf zu einer Kulturpflanze?
Menschen nutzten Cannabis vermutlich zunächst wegen seiner praktischen Eigenschaften. Die Pflanze liefert robuste Fasern, ölreiche Samen und widerstandsfähiges Pflanzenmaterial. Daraus entstanden unter anderem Textilien, Schnüre, Seile, Nahrungsmittel und Öle.
Durch gezielte Selektion und Weiterzüchtung veränderten Menschen die Eigenschaften der Pflanzen. Bevorzugt wurden beispielsweise Pflanzen mit besonders langen Fasern, großen Samen oder einem bestimmten Reifezeitpunkt. Auch Pflanzen mit auffälligen Harz- und Wirkstoffprofilen konnten gezielt weitervermehrt werden.
Über viele Generationen führte diese Auswahl zu regional unterschiedlichen Populationen. Diese bildeten eine Grundlage für die genetische Vielfalt, die später auch in sogenannten Cannabis-Landrassen sichtbar wurde.
Dabei waren nicht nur menschliche Entscheidungen wichtig. Auch Klima, Tageslänge, Höhenlage und andere Umweltbedingungen beeinflussten, welche Pflanzen sich in einer Region behaupten konnten.
Seit wann wurde Cannabis wegen seiner Wirkung genutzt?
Archäologische Funde zeigen, dass Cannabis spätestens im ersten Jahrtausend vor Christus auch wegen seiner berauschenden Wirkung genutzt wurde.
Ein besonders wichtiger Fund stammt vom Jirzankal-Friedhof im Pamirgebirge im heutigen Westchina. In etwa 2.500 Jahre alten Räuchergefäßen fanden Forschende Rückstände, die auf verbranntes Cannabis mit psychoaktiven Inhaltsstoffen hinweisen. Wahrscheinlich wurde der Rauch bei Bestattungen oder anderen rituellen Handlungen eingeatmet.
Auch aus dem rund 2.700 Jahre alten Yanghai-Gräberfeld im heutigen Xinjiang sind gut erhaltene Cannabisreste bekannt. Die Funde zeigen, dass Cannabis in Teilen Zentralasiens nicht nur als Faser- oder Nahrungspflanze, sondern auch wegen seiner besonderen Inhaltsstoffe geschätzt wurde.
Diese Nachweise belegen eine frühe psychoaktive Nutzung. Sie sagen jedoch nicht automatisch aus, wie Cannabis in allen damaligen Regionen verwendet wurde.
Wie verbreitete sich Hanf über Asien?
Die Verbreitung erfolgte wahrscheinlich in mehreren Wellen. Samen und Pflanzen gelangten mit wandernden Bevölkerungsgruppen, Händlern, nomadischen Kulturen und gezieltem Anbau in neue Gebiete.
Über die eurasischen Steppenräume verbreitete sich Cannabis in Richtung Westen. Der griechische Historiker Herodot beschrieb bereits im 5. Jahrhundert vor Christus, wie die Skythen Cannabis auf erhitzten Steinen verbrannten und den Rauch einatmeten.
Vom zentralasiatischen Raum gelangte Cannabis außerdem in Richtung Himalaya und auf den indischen Subkontinent. Dort entwickelten sich regionale Populationen, die sich an unterschiedliche Höhenlagen, Klimabedingungen und Tageslängen anpassten.
Indien wurde zu einem wichtigen Zentrum der Cannabis-Kultur. Die Pflanze wurde dort unter anderem als Nutzpflanze, in traditionellen Zubereitungen sowie in religiösen und rituellen Zusammenhängen verwendet.
Wie kam Cannabis nach Afrika, Europa und Amerika?
Über Handelswege gelangte Cannabis aus Südasien und Zentralasien weiter in den Nahen Osten. Dort entwickelte sich insbesondere Haschisch, also das aus den Harzdrüsen gewonnene Cannabis-Harz, zu einer wichtigen Konsumform.
Von dort aus verbreitete sich die Pflanze wahrscheinlich weiter nach Afrika. Die genaue Geschichte unterscheidet sich je nach Region und ist nicht für alle Zeiträume eindeutig dokumentiert.
Nach Europa gelangte Cannabis bereits in der Antike. Eine größere Verbreitung als Kulturpflanze erfolgte später durch Landwirtschaft, Handel und die europäische Expansion. Im 16. Jahrhundert bauten spanische Kolonisten Hanf in Südamerika an. In den nordamerikanischen Kolonien wurde die Pflanze vor allem wegen ihrer Fasern für Seile, Segeltuch und andere robuste Textilien angebaut.
Mit den Handels- und Migrationsbewegungen gelangten außerdem unterschiedliche regionale Formen und Nutzungstraditionen zusammen. Dadurch wurde die genetische Vielfalt von Cannabis weiter verändert.
Warum gibt es heute so viele verschiedene Cannabissorten?
Die heutige Vielfalt entstand aus dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren:
- natürliche Anpassung an unterschiedliche Klimazonen
- Unterschiede bei Tageslänge und Höhenlage
- menschliche Auswahl bestimmter Eigenschaften
- regionale Populationen und Landrassen
- gezielte Kreuzungen durch Züchter
Ausgewählt wurden unter anderem Pflanzen mit bestimmten Wuchsformen, Reifezeiten, Faserqualitäten, Samenmengen, Aroma- und Harzprofilen. Auch Unterschiede bei den Cannabinoiden spielten eine Rolle.
Historisch werden schmalblättrige, hoch wachsende Pflanzen aus warmen Regionen wie Südindien, Thailand, Teilen Afrikas, Südamerikas und der Karibik häufig mit „Sativa“ verbunden. Kompaktere, breitblättrige Pflanzen werden eher mit Gebirgsregionen Zentral- und Südasiens, etwa dem Hindu Kush und Afghanistan, in Verbindung gebracht.
Diese Begriffe sind jedoch keine zuverlässige Einteilung moderner Sorten. Ihre botanische und genetische Bedeutung ist komplexer. Eine ausführliche Einordnung findest du im Beitrag Sativa, Indica & Ruderalis: Die Grundtypen von Cannabis und ihre Merkmale.
Aus regionalen Populationen und Landrassen entstanden später durch gezielte Kreuzung unzählige moderne Sorten und Hybriden.
Die heutige Cannabis-Genetik ist damit das Ergebnis einer langen Kombination aus natürlicher Anpassung, menschlicher Selektion, Migration und Züchtung.
Fazit: Cannabis hat keinen einzigen Ursprungspunkt
Cannabis entwickelte sich wahrscheinlich im weiteren ost- und zentralasiatischen Raum. Die frühe Domestikation durch Menschen fand nach aktuellen genetischen Untersuchungen vermutlich in Ostasien statt, besonders im Gebiet des heutigen China.
Von dort verbreitete sich die Pflanze über Migration, Handel und gezielten Anbau nach Zentralasien, in den Himalaya, nach Indien, in den Nahen Osten, nach Afrika, Europa und schließlich nach Amerika.
Die heutigen Cannabissorten sind das Ergebnis dieser langen Geschichte. Natürliche Anpassung, menschliche Auswahl und moderne Züchtung formten gemeinsam die genetische Vielfalt, auf der Landrassen und heutige Hybriden beruhen.
Quellen
- Large-scale whole-genome resequencing unravels the domestication history of Cannabis sativa – Science Advances (2021)
- Origin, early expansion, domestication and anthropogenic diffusion of Cannabis, with emphasis on Europe and the Iberian Peninsula – Perspectives in Plant Ecology, Evolution and Systematics (2022)
- The origins of cannabis smoking: Chemical residue evidence from the first millennium BCE in the Pamirs – Science Advances (2019)
- Phytochemical and genetic analyses of ancient cannabis from Central Asia – Journal of Experimental Botany (2008)
- A Review of Historical Context and Current Research on Cannabis Use in India – Indian Journal of Psychological Medicine (2023)


