Herkunft von Hanf: Wo Cannabis ursprünglich herkommt

Herkunft und Verbreitung der Cannabispflanze

Hanf (Cannabis sativa L.) gehört zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit. Seit Jahrtausenden wird die Pflanze für Fasern, Samen, medizinische Anwendungen und ihre psychoaktive Wirkung genutzt.

Doch woher stammt Cannabis ursprünglich?

Nach heutigem Forschungsstand liegen die entscheidenden Ursprungsräume in Ost- und Zentralasien. Genetische Untersuchungen sprechen dafür, dass Cannabis bereits vor rund 12.000 Jahren in Ostasien domestiziert wurde. Von dort verbreitete sich die Pflanze über Migration, Handel und gezielten Anbau schließlich über weite Teile der Welt.

Wo liegt der Ursprung von Cannabis?

Lange wurde vor allem Zentralasien mit Regionen wie Kasachstan, dem Altai und angrenzenden Gebieten als Urheimat von Cannabis angesehen. Neuere Forschung zeichnet ein genaueres Bild.

Eine große Genomstudie von 2021 untersuchte weltweit Cannabis-Landrassen und Kulturformen. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass die frühe Domestikation bereits im Neolithikum in Ostasien stattfand. Besonders alte genetische Linien finden sich bei Cannabis-Landrassen und verwilderten Populationen aus China.

Paläobotanische Untersuchungen verorten den noch weiter zurückliegenden evolutionären Ursprung von Cannabis im Raum des nordöstlichen Tibetischen Plateaus.

Vereinfacht lässt sich die Entwicklung so zusammenfassen:

  • Evolutionäre Wurzeln: wahrscheinlich Ost- und Zentralasien rund um das Tibetische Plateau
  • Frühe Domestikation: vermutlich Ostasien, insbesondere das heutige China
  • Spätere Diversifizierung: weite Teile Zentral-, Süd- und Ostasiens

Wie früh nutzten Menschen Hanf?

Cannabis wurde vermutlich zunächst vor allem wegen seiner praktischen Eigenschaften genutzt. Die Pflanze liefert robuste Fasern und nährstoffreiche Samen und lässt sich vielseitig verarbeiten.

In China gibt es Hinweise auf eine Nutzung und Kultivierung von Hanf seit mehreren Jahrtausenden. Die Pflanze diente unter anderem als:

  • Faserpflanze für Textilien, Schnüre und Seile
  • Quelle für Samen und Öl
  • Heilpflanze
  • später auch als psychoaktiv und rituell genutzte Pflanze

Im Laufe der Zeit wählten Menschen gezielt Pflanzen mit gewünschten Eigenschaften aus – beispielsweise besonders faserreiche Pflanzen, ertragreiche Samenpflanzen oder Cannabis mit einer stärkeren berauschenden beziehungsweise medizinisch interessanten Wirkung.

Aus dieser jahrtausendelangen Auswahl entstanden unterschiedliche Cannabis-Populationen und Landrassen.

Seit wann wurde Cannabis wegen seiner Wirkung genutzt?

Einen der eindrucksvollsten archäologischen Nachweise liefert der Jirzankal-Friedhof im Pamirgebirge im heutigen Westchina.

Dort fanden Forscher rund 2.500 Jahre alte hölzerne Räuchergefäße, in denen Cannabis verbrannt worden war. Chemische Analysen wiesen THC-Abbauprodukte nach und sprechen dafür, dass dort Cannabis mit vergleichsweise hoher psychoaktiver Potenz verwendet wurde.

Wahrscheinlich wurden die Cannabisdämpfe bei Bestattungs- oder Ritualzeremonien eingeatmet.

Auch aus dem etwa 2.700 Jahre alten Yanghai-Gräberfeld in Xinjiang sind bemerkenswert gut erhaltene Cannabisreste bekannt. Analysen deuten darauf hin, dass diese Pflanzen aufgrund ihrer psychoaktiven oder medizinischen Eigenschaften genutzt wurden.

Damit ist klar: Spätestens im ersten Jahrtausend vor Christus nutzten Menschen Cannabis gezielt nicht nur als Nutzpflanze, sondern auch wegen seiner berauschenden und medizinischen Wirkung.

Wie verbreitete sich Hanf über die Welt?

Die Verbreitung von Cannabis erfolgte über Jahrtausende hinweg durch Migration, nomadische Kulturen, Handel und gezielten Anbau. Dabei gelangten sowohl Samen als auch verschiedene Formen der Nutzung von einer Region in die nächste.

Von Zentralasien nach Westen

Eine bedeutende Rolle spielten die großen Handels- und Migrationsräume der eurasischen Steppe.

Bereits der griechische Geschichtsschreiber Herodot beschrieb im 5. Jahrhundert v. Chr., wie die Skythen Cannabis auf erhitzte Steine warfen und die entstehenden Dämpfe einatmeten.

Nomadische Reitervölker wie die Skythen sowie Händler trugen vermutlich wesentlich dazu bei, Cannabis zwischen Zentralasien, Osteuropa und dem Nahen Osten zu verbreiten.

Vom Himalaya nach Indien

Von Zentral- und Ostasien gelangte Cannabis früh in Richtung Himalaya und indischer Subkontinent. Entlang der Gebirgsregionen und alten Handelswege konnten sich lokale Populationen etablieren, aus denen sich im Laufe der Zeit charakteristische regionale Landrassen entwickelten.

Indien wurde zu einem der wichtigsten Zentren der Cannabis-Kultur. Dort ist die Pflanze seit Jahrtausenden sowohl medizinisch als auch religiös und rituell verankert.

Besonders bekannt ist Bhang, eine traditionelle Cannabiszubereitung, die bis heute bei religiösen Festen verwendet wird. Cannabis steht im Hinduismus außerdem in enger Verbindung mit dem Gott Shiva. In hinduistischen Überlieferungen und religiösen Traditionen gilt die Pflanze als heilig und wird unter anderem während Maha Shivaratri, dem großen Fest zu Ehren Shivas, konsumiert.

Damit war Indien nicht nur ein bedeutendes Anbaugebiet, sondern auch ein wichtiges kulturelles Zentrum für den medizinischen, spirituellen und berauschenden Gebrauch von Cannabis.

Vom indischen Raum in den Nahen Osten und nach Afrika

Über Handelswege zwischen Südasien, Persien und der Arabischen Welt verbreiteten sich Cannabis und verschiedene Formen seiner Nutzung weiter nach Westen.

Besonders Haschisch, also das aus den Harzdrüsen der Pflanze gewonnene Cannabis-Harz, entwickelte sich im Nahen Osten und angrenzenden Regionen zu einer bedeutenden Konsumform.

Über Handelskontakte gelangte Cannabis schließlich auch nach Afrika. Historische und sprachwissenschaftliche Untersuchungen sprechen dafür, dass sich die Pflanze von Ostafrika aus weiter über den Kontinent verbreitete.

Cannabis erreicht Amerika

Mit der europäischen Expansion gelangte Hanf schließlich auch in großem Maßstab nach Amerika.

Spanische Kolonisten bauten bereits im 16. Jahrhundert Hanf in Südamerika an. In den nordamerikanischen Kolonien wurde die Pflanze vor allem als Rohstoff für Seile, Segeltuch und andere robuste Textilien gefördert.

Auch afrikanische Cannabis-Traditionen gelangten über den Atlantik nach Amerika und beeinflussten dort spätere Formen des Cannabiskonsums.

So trafen in der Neuen Welt unterschiedliche Cannabis-Traditionen aus Europa, Afrika und später weiteren Regionen aufeinander.

Warum gibt es heute so viele unterschiedliche Cannabissorten?

Die lange Reise von Cannabis erklärt einen Teil seiner heutigen Vielfalt.

Über Jahrtausende passten sich Pflanzen an unterschiedliche Klimazonen, Tageslängen und Umweltbedingungen an. Gleichzeitig selektierten Menschen Cannabis auf verschiedene Eigenschaften – etwa:

  • lange und belastbare Fasern
  • große und ertragreiche Samen
  • kurze oder lange Wachstumszyklen
  • unterschiedliche Wuchsformen
  • eine stärkere psychoaktive Wirkung beziehungsweise höhere THC-Gehalte
  • unterschiedliche Aroma- und Harzprofile

Aus regionalen Populationen und Landrassen entstanden später durch gezielte Kreuzung unzählige moderne Sorten und Hybriden.

Die heutige Cannabis-Genetik ist damit das Ergebnis einer langen Kombination aus natürlicher Anpassung, menschlicher Selektion, Migration und Züchtung.

Fazit: Cannabis begann seine Reise in Asien

Die evolutionären Wurzeln von Cannabis sativa liegen wahrscheinlich im weiteren Raum Ost- und Zentralasiens, während moderne Genomanalysen die frühe Domestikation besonders mit Ostasien und dem heutigen China verbinden.

Von dort verbreitete sich Cannabis über Zentralasien und den Himalaya nach Indien, das zu einem bedeutenden Zentrum seiner medizinischen, religiösen und psychoaktiven Nutzung wurde. Über Handelswege und nomadische Kulturen gelangte die Pflanze anschließend in den Nahen Osten, nach Europa und Afrika – und mit der globalen Seefahrt schließlich nach Amerika.

So entwickelte sich aus einer ursprünglich asiatischen Pflanze über Jahrtausende eine der vielseitigsten und kulturell bedeutendsten Kulturpflanzen der Welt.

Quellen