Was macht eine Cannabis-Sorte einzigartig?
Zwei Dinge beeinflussen die Wirkstoffkombination einer Cannabispflanze: Genetik und Umwelt. Das genetische Programm der Hanfpflanze, auch „Genotyp“ genannt, fungiert als Entwurf für das Wachstum. Es erlaubt ein Spektrum an Möglichkeiten, aber es liegt letztlich an der Umwelt selbst, wie stark sich die vorgesehenen Eigenschaften entwickeln werden.
Das natürliche Erscheinungsbild eines Genotyps (also dessen Aussehen) wird als „Phänotyp“ bezeichnet. Dieser zeigt sich genau mit den Merkmalen, die die Umgebung aus dem genetischen Code der Pflanze herauszieht. Alles was das genetische Programm einer Hanfplfanze zulässt, wie z. B. Farbe, Form, Geruch und Harzproduktion wird durch die Umwelt beeinflusst. Daher ist jede Pflanze auch immer einzigartig.
Die folgenden Abschnitt geben dir einen kurzen Einglick in die Cannabis-Genetik und führen dich durch den Entwicklungsprozess der Cannabispflanze, von ihren antiken Anfängen bis heute. Am Ende wirst du verstehen, dass es tatsächlich definieren Merkmale gibt, die für jede einzelne Hanfsorte zutreffen, aber jede Pflanze dennoch so speziell, wie eine Schneeflocke einzigartig ist – immer in Abhängikeit ihrer Gene und Umgebung.
- 1. Landrassen: Die ältesten Cannabis-Sorten
- 2. Cannabis-Kultivierung vom Outdoor- zum Indoor-Anbau
- 3. Das Zeitalter der Hybridisierung von Indica- und Sativa-Sorten
Landrassen: Die ältesten Cannabis-Sorten
Cannabis ist eine uralte Wild- und Kulturpflanze mit Ursprüngen auf fast allen Kontinenten. Die ersten Sorten, so wird angenommen, stammen aus dem gebirgigen Hindu Kush in Pakistan, während später weitere Sorten in tropischen Klimazonen auftauchten. Diese Ursorten, werden als Landressen bezeichnet und gelten als die Diamanten der Cannabis-Genetik.
Tausende von Jahren der Anpassung ermöglichten den Landrassen ihre besten Eigenschaften an einem Standort weiterzuentwickeln. Für Züchter haben diese Landrassen einen ähnlichen Stellenwert wie für Maler die Grundfarben, die beliebig gemischt immer neue Farbvarianten hervorbringen können.
Die Herkunftsregionen der Landrassen sind vor allem die bergigen Regionen Asiens (Indica-Sorten), die tropischen Regionen Asiens und Afrikas (Sativa-Sorten) sowie die rauen und flachen Steppenlandschaften Osteuropas und Zentralasiens (Ruderalis-Sorten). Diese vielfältigen Lebensräume beherbergen eine bunte Reihe von Cannabis-Sorten, jede mit ihrer eigenen langjährigen Geschichte.
Ideal an das Umfeld angepasst ist auch das regionale Erscheinungsbild bzw. Wachstums- bzw. Blüteverhalten der unterschieldichen Landrassen:
- Indica-Sorten – kompakt, kurze Blütezeit (bei rückläufiger Tageslänge)
- Sativa-Sorten – groß und luftig, lange Blütezeit (bei rückläufiger Tageslänge)
- Ruderalis-Sorten – klein, kurze Blütezeit (automatischer Blütenimpuls)
Hinzu kommt, auch wenn zwischen den einzelnen Arten (Indica, Sativa, Ruderalis) gewisse Gemeinsamkeiten bestehen, so sind die einzelnen Sorten der jeweiligen Gattungen ebenfalls wieder stets individuell. So wird eine Sativa aus dem kühleren Südafrika sicher gewisse Eigenarten aufweisen, die z. B. eine Sativa aus Kolumbien nicht hat. So ist es beispielsweise möglich die südafrikanische Sativa-Sorte Durban von Sensi Seeds in Europa draußen anzubauen.
Cannabis-Kultivierung vom Outdoor- zum Indoor-Anbau
Die profesionelle Cannabis-Zucht begann in den 70er und 80er Jahren. Damals erreichte die Strafverfolgung von Growern einen neuen Höhepunkt und so wurde die Kultivierung in den Untergrund getrieben wurde. Indoor-Gärten wurden mit Blumenerde, elektrischem Licht und Bewässerungssystemen hochgezogen. Durch nahezu optimale Bedingungen konnten die genetischen Potentiale der Hanfpflanzen bis an ihre Grenzen ausgereizt werden.
Durch den zunehmenden Indoor-Anbau entstand eine völlig neue Sortenvielfalt, denn von nun an konnten auch empfindlichere tropische Cannabis-Sorten zuhause angebaut werden. Dabei entstand ein immer stärker werdender Wettbewerb hin zu mehr THC. Hanfpflanzen mit besonders hohem THC-Anteil wurden daher selektiv über Jahre hinweg immer weitergezüchtet. Bestandteilen wie CBD oder Terpene wurden dabei völlig vernachlässigt
Trotz dieses verlorenen Fokus auf andere Wirkstoffbestandteile, findet sich dennoch eine große Vielfalt an Phänotypen einzelner Hanfsorten: Nährstoffe, Temperatur, Lichtmenge, Bodenart, Erntezeitpunkt usw. gehören zu den viele Bedingungen, die die Eigenschaften einer jeden Pflanze beeinflussen. Unterschiedliche Bedingungen können daher zur unterschiedlichen Ausprägung von sortentypischen Eigenschaften führen, was sich vor allem bei Hybridsorten bemerkbar machen kann.
Das Zeitalter der Hybridisierung von Indica- und Sativa-Sorten
Hand in Hand mit dem Indooranbau kam es bei den Cannabis-Sorten zu einer Revolution bei den hybridisierten Sorten, denn es wurdne zunehmend Landrassen verschiedener Standorte untereinander gekreuzt. Seit dem Beginn der Kreuzungen von Sativa- und Indica-Sorten, entstand ein immer verzweigterer Stammbaum an Hybrid-Nachkommen.
Besonders Züchter lieben Indicas wegen ihres kompakten Wachstums, harzbeschichteten Knospen und kurzen Blütenperioden, beides perfekte Merkmale für den kommerziellen Anbau. Die beliebten, emporhebenden Effekte von Sativas sollten jedoch genetischer Eckpfeiler bleiben. So wurden diese dann mit den pflegeleichten Indicas gekreuzt um das Beste der beiden Welten zu bewahren.
Eine Kreuzung kann aber je nach Umwelteinfluss dazu führen dass jeweils arttypische Eigenschaften dominieren und daher dieselben Sorten je nach Anbaubedingungen unterschiedlich wirken kann. So wird die selbe Sorte eines Sativa-Indica-Hybriden draußen angebaut möglicherweise eher indicatypische Eigenschaften aufweise und die innen angebaute Pflanez mehr Sativa-Eigenschaften haben.
Einzelne Sortenbeschreibungen sind daher auch eher als Orientierugsgröße zu sehen und dennoch ein guter Indicator um deine Lieblings-Sorte zu entdecken. Gerade wegen der Hybridisierung, existiert eine nahezu grenzenlose Auswahl von Cannabis-Sorten und sogar gut informierte Cannabisseure entdecken immer wieder neue Sorten.
Genussfokussierte Züchter trauern dennoch oft über den Verlust der ursprünglichen Cannabis-Genetik vieler Landrassen und züchten teilweise Sorten zurück um die ursprünglichen Eigenschaften zu stabilisieren. Ambitionierte Cannabiszüchter breisen sogar die Ursprungsländer um verschollenen geblaubte Landrasse vielleicht doch noch irgenwo zu finden.
Man kann nur hoffen, das dies gelingt, denn die Wiederentdeckung alter Landrassen wäre dabei nicht nur ein Wiederbelebung der verfügbaten Landrassengenetik zur Züchtung von neuen Sorten für den Genusskonsum, sondern könnte auch positive Auswirkung auf Marihuana für medizinische Zwecke haben.


