Was ist eine Landrassen-Sorte? Ein Blick in die Geschichte des Hanfs

Cannabis-Landrasse als historische Sorte

Wo Cannabis bereits legalisiert wurde, erfeuen sich Genießer an einem nicht endend wollendenden Fluss neuer Cannabis-Sorten. Cannabis-Patientenprofitieren von einem immer breiter werdenen Spektrum medizinischer Hanfsorten mit ganz unterschiedlichen Eigenschaften bei verschiedensten Gesundheitsproblemen. Und Kenner aalen sich in der Vielfalt komplexer Geschmacksprofile der besten Connaisseur-Sorten, dank des legalen Cannabis-Markts.

Für diejenigen, die nur Plastiktütchen mit namenlosem Kraut gewöhnt sind, stellen Sorten wie Blackberry Kush und Purple Haze dagegen eine ganz neueartige Welt des Cannabis dar. Aber woher kommen all diese „Kushes“, „Hazes“ und Hybriden? Ein Blick in die frühe Geschichte von Cannabis gibt uns erste Hinweise.

Definition und Entstehung einer Cannabis-Landrasse

Landrassen sind Pflanzengattungen aus einer speziellen Region in der diese urheimisch sind oder dort vor sehr langer Zeit heimisch wurden. Eine Cannabis-Landrasse kann sich über tausende von Jahren isoliert und and perfekt an ihre natürliche Umgebung angepasst entwickelt haben. Meistens sind diese uralten Hanfsorten aber schon vor langer Zeit von Menschen entdeckt und in ihrer natürlichen Umgebung kultiviert worden.

Das typische ist dabei, dass die Landrassen entweder nie mit anderen Hanfsorten gekreuzt wurden oder falls doch, die neu entstandene Sorte über Jahrhunderte stabilisiert wurde. Auch darf keine relevante Beeinflussung, wie etwa intensive Düngung oder chemische Schädlingsbekämpfung, stattgefunden haben.

Letztlich sind Cannabis-Landrassen also zum einen wildwachsende Hanfpflanzen oder kleinbäuerlich bewirtschafter Kulturhanf, vergleichbar mit urheimischen Tomaten-, Kartoffel-, oder Maniok-Sorten die in autonomen, indigenen Dörfern über viele Generationen hinweg mit natürlichen Methoden kultiviert werden.

Weiteres Merkmal eine Landrass ist ihre äußerst stabile Genetik und ihre perfekte Anassung and die Umweltbedingung der Umgebung. Die Ausprägung der individuellen Pflanzeneigenschaften hängt dabei im wesentlichen von folgenden Faktoren ab, meist in Abängigkeit von Breitungrad, Höhe über den Meeresspiegel und Jahreszeit:

  • Tageslänge
  • Temperaturen
  • Bodenverhältnisse
  • Lichtspektrum & Einstrahlwinkel
  • Luffeuchtigkeit
  • Wind
  • Niederschlag
  • Schädlinge & Krankheiten

Gemeinsam haben die Lanrassen, dass diese entweder aus einer tropischen Klimazone, einer Bergregion in Asien entstammen oder aber aus den wilden Landstrichen und kargen Steppen Osteuropas- und Zentralasiens. Erfahre jetzt mehr über die genaue Herkunft und die historische Verbreitung der Cannabis-Landrassen.

Herkunft und Verbreitung der Cannabis-Landrassen

Karte über die Herkunkft und Verbreitung der Cannabis-Landrassen

Historische Beweise aus der ganzen Welt haben gezeigt, dass Cannabis seit Tausenden von Jahren von Menschen genutz wird, sowohl als eiweiß- und ölhaltige Nahrungsquelle und Faserlieferant als auch zu spirituellen und medizinischen Zwecken.

Noch vor seiner Entdeckung durch den Menschen breitete sich Cannabis in seiner natürlichen Umgebung aus und passte sich dabei immer wieder den jeweiligen regionalen Umweltbedingungen an.

Angefangen von den kargen Bergregionen des Hindu-Kush, vermutlich dem Ursprungsort der Hanfpflanze, wurde Cannabis schließlich auch in den Bergen und Tälern des Himalaya und den rauen Graslandschaften Zentralasiens heimisch. Nach Entdeckung der vielseitignen Verwendungsmöglichkeiten durch den Menschen, war eine weitere Expansion nicht mehr aufzuhalten.

Nicht zuletzt  über die in der Menschheitsgeschichte immer größer werdenen Wanderungsbewegungen und Handelsströme wurde Cannabis in immer weiter entfernte Regionen gebracht. So wurde Cananbis nach und nach in ganz Asien und Osteuropa heimisch. Anschließend breitete sich Cannabis über den Orient auch in Nord- und Ostafrika weiter aus.

Hanf aus Osteuropa wurde schließlich auch im restlichen Europa domestiziert und über die Mauren gelangte Cannabis dann schließlich auch nach Spanien. Doch auch in Afrika wurde Hanf immer mehr heimisch und so entstanden auch in Süd- und Westafrika stabile, eigenständige Landrassen.

Rund ein Jahrhundert nach der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus wurde Cannabis dann auch in Brasilien angebaut. Im Rahmen des aufblühenden Sklavenhandels, zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert, gelangten immer wieder Hanfsamen aus Afrika  in der Neuen Welt. Hunderte Jahre Anpassung ermöglichten auch hier die Entwicklung ganz eigener Landrassen.

Ohne menschlichen Eingriff wäre die Verbreitung von Hanf vermutlich auf Asien beschränkt geblieben.

Landrassen-Arten und ihr geographischer Ursprung

Eine Ur-Cannabis-Art gibt es vermutlich nicht. Selbst innerhalb des prähistorischen Gebiets in Zentralasien hat sich domestiziertes Cannabis mit seinen wilden Vorfahren immer wieder gekreuzt.  Erst  im Verlauf der Geschichte haben sich die heutigen Landrassen herausgebildet.

Typische, durch die Umwelbedingungen herausgebildete Alleinstellungsmerkmale dienen heute als Basis für die Klassifizierung der Landrassen-Arten. Anders als Hybriden oder Kreuzungen innerhalb der selben Gattung, werden diese oft als „rein“ bezeichnet. Die gängige Einteilung der heutigen Cannabis-Sorten erfolgt in den Kategorien Sativa und Indica bzw. Hybriden als Ergebnis einer Kreuzung zwischen unterschiedlichen Hanfsorten.

Die großen Sativa-Landrassen mit ihren lagen und dünnen Blättern kommen hauptsächlich in tropischen Gebieten rund um den Äquator vor. Die Sativa-Pflanzen werden wesentlich größer wie Indicas und bis zur Ernte können Monate vergehen. Das Verähltnis von THC zu anderen Cannabinoiden ist ebenfalls viel höher als bei Indicas. Die Wirkkung ist meist belebend, kreativitätsfördernd, aufheiternd und teilweise sogar psychedelisch.

Indica-Landrassen kommen aus den rauen und kargen Bergregionen Asiens und wachsen sehr kompakt. Die Blätter sind dunkler und breiter als bei Sativas. Auch ist die Wachstumsperiode und Blütephase viel kürzer. Die Blüten sind extrem harzig und riechen intensiv. Neben THC werden bei Indicas viele weiteren Cannabinoide produziert. Die Wirkung ist stark körperbetont, entspannend und aptetittantregend.

Allerings ist die allgemeingängige Kategorisierung der Indica-Landrassen nicht ganz korrekt, denn afghanische Landrassen und Landrassen aus dem Hindu-Kush unterscheiden sich deutlich von den Indicas aus Nordindien. Die allgemein als Indicas kategorisieren Landrassen müssten korrekterweise daher eigentlich noch in Indica-, Kush und Afghanica-Cannabis unterteilt werden.

Während Indica-Blüten sehr groß werden, sind Kush-Blüten eher klein und Popcornartig. Kush wirkt wesentlich psychoaktiver als Indica aber gleichzeitig wesentlich beruhigender als Sativa. Afganicas wachsen noch niedriger als Indicas und Kush. Afganica-Blüten sind besonders Dick und von glitzernden Harzkristallen übersäht. Die Wirkung der Afganicas läss an Opium denken, denn sie ist besonders narkotisch.

Auch die selbstblühende Ruderalis wird bei Growern als eigenständige Gattung gesehen jedoch üblicherweise in Sativa, Indica oder Hybrid-Sorten eingekreuzt um aus den daraus hervorgehenden Cannabis-Samen automatisch blühende Hanfpflanzen kultivieren zu können.

Aufgrund ihrer äußerst stabilen Gene und ganz speziellen Eigenarten, sind diese seltenen urheimischen Hanfsorten das genetische Rückgrat der modernen Cannabis-Zucht.

Evolution der Cannabis-Landrassen zu modernen Cannabis-Hybriden

Die Kombination von Umweltbedingungen und selektiver Züchtung innerhalb der regionalen Cannabis-Populationen führten zu stabilen Sativa-, Indica-, Kush-, Afganica- und Ruderalis-Landrassen. Bei kommerziellen Cannabis-Züchtern und offiziellen Verkaufsstellen finden sich kaum mehr reine Landrassen im Sortiment.

Der Grund dafür ist, dass Landrassen sich zwar perfekt an die urheimische Umgebung angepasst haben, nicht aber an die Gegebenheiten europäischer und nordamerikanischer Grower. Daher wurden die Landrassen von kommerziellen Cannabis-Samenbanken weitergezüchtet und den Anforderungen ihrer Kunden angepasst.

Landrassen-dominante Cannabis-Sorten mit Einkreuzungen

Die Sensi Seeds Bank (eine der größten Samenbanken von modernen Cannabis-Sorten) bietet daher auch spezielle Hanfsamen für den Indoor-Anbau sowie an nördlichere Breitengrade angepasste Hanfsamen für den Outdoor-Anbau an.

Dabei unterscheidet Sensi Seeds sogar zwischen Hanfsamen für sonnig-mediterranes Klima, Hanfsamen für gemäßigt-kontinentales Klima und Hanfsamen für kühl-kaltes Klima.

Zum besseren Verständnis welche Rolle hierbei die Landrassen spielen, nehemen wir als Beispiel 4 Sensi Seeds Sorten für kaltes Wetter:

Hierbei wurden Cannabis-Landrassen aus warmen Klimazonen mit Sorten gekreuzt, die an kurze Sommer und kalte Wetterverhältnisse gewöhnt sind. Durch professionelle Cannabis-Zuchtmethoden wurden so perfekt angepasste Sorten erschafften, die bei entsprechenden Bedingungen auf natürliche oder traditionelle Weise erst nach vielen Jahrhunderten entstanden wären.

Übrigens, trotz afrikanischer Herkunft waren bei der Sativa-Landrasse „Durban“ aus Südafrika gar keine Einkreuzungen nötig. Am südlichsten Gipfel des afrikanischen Kontinents kann es gegen empfindlich kalt werden und so konnte sich eine fast kälteunempfindliche Sativa-Sorte entwicklen, die bestens für den europäischen und noramerikanischen Freilandanbau geeignet ist.

Entstehung von Landrasse-Hybriden & neuen „reinen“ Cannabis-Sorten

Generell führt die Kreuzung von unterschiedlichen Cannabis-Stämmen (meist Sativa oder Indica), aber auch die Kreuzung verschiedener Cannabis-Sorten innerhalb eines Cannabis-Stamms, zu Cannabis-Hybriden. Zur Vereinfachung werden aber Kreuzungen von reinen Sativa-Landrassen untereinander nicht als Hybriden bezeichnet, sondern als reine Sativas.

Gentisch gesehenist dies nicht ganz korrekt, soll aber . Auch wenn es sich nicht mehr um „reine“ Landrassen handelt, werden bestimmte Cannabis-Sorten noch als „rein“ bezeichnet, und zwar dann, wenn die Sorte eine stabile Genetik aufweist. Diese Sorten werden dann auch als „Landrassen-Hybriden“ bezeichnet.

Beispiele für stabile Landrassen-Hybriden sind folgende Sorten der Sensi Seeds Bank:

  • Purple Haze – Kreuzung aus 70% Sativa-Landrassen
  • Master Kush – Kreuzung aus 95% Kush-Landrassen
  • Afghani #1 – Kreuzung aus 95% Afghanica-Landrassen
  • Skunk #1 – Kreuzung aus 35% Sativa- und 65% Indica-Landrassen

Stabile Cannabis-Sorten werden aufgrund ihrer hervorragenden genetischen Eingeschaften immer wieder für die Züchtung von neuen, modernen Hybrid-Sorten verwendet. Die Landrassen-Hybriden werden dann umgangssprachlich auch als „Eltern“ bezeichnet.

Entstehung von modernen Cannabis-Hybriden

Kreuzungen zwischen diesen reinerbigen Eltern führen zu sogenannten „F1-Hybriden“, den direkten Nachkommen eines „stabilen“ Elternpaars. Werden F1-Hybriden wiederum untereinander vermehrt kann es zu Schwankungen im Erbgut der neuen Nachkommen kommen, was Qualitätsverluste nach sich ziehen kann.

Weiterer Nachteil von Hybriden ist,  dass je nach Wachstumsbedingungen gewissen Gene mehr zum Vorschein treten können. Wird ein F1-Hybrid zum Beispiel draußen angebaut und das Wetter macht nicht richtig mit, können sich verstärkt Indica- statt Sativa-Eigenschaften herausbilden, dieses Phänomen kommt bei bei „reinen“ Cannabis-Sorten wenn überhaubt, weit weniger ausgeprägt vor.

Auch wenn sie sich nicht zur Weiterzüchtung eigenen, F1-Hybriden können dennoch eine hervorragende Qualität haben. Allerdings ist die erneute Vermehrung von F1-Hybriden oft günstiger weswegen Low-Budget-Samenbanken oft auch schlechte Qualitä liefern. Falls du in deinem Land legal anbauen darfst, solltest du unbedingt darauf achten, dass du dein Saatgut bei einer qualitätsorientierten Seedbank kaufst.

Ein Beispiele für einen hervorragende F1-Hybriden ist der Thai-Afghani-F1-Hybride „Fruity Juice“ vom Qualitätszücher Sensi Seeds, eine Mischung hervorragender Thai-Sativas und Afghani-Indicas.

Auswirkungen auf die Cannabisgenetik durch modernen Cannabis-Hybriden

All die genetische Variation zwischen Sativa, Indica, Kush, Afganica und Ruderalis fließen in die heutige Cannabis-Genetik mit ein.

Dennoch haben die meisten Cannabis-Züchter Jahrzehnte lang selektiv Soten mit hohem THC-Gehalt gezüchtet und anderen Bestandteile wie CBD und Terpene vernachlässigt. Wer Marihuana oder Haschisch einer alten Landrasse schon einmal konsumiert hat, wird sich vielleicht an die milde, dennoch äußerst angehemen Effekte und Aromen erinnern.

Die Hybridisierung hat jedoch dafür gesorgt, dass sehr wenige der ursprünglichen Landrassen-Stämme noch erhalten geblieben sind. Oft wird in den Herkunftsländern traditioneller Landrassen mittlerweile ebenfalls THC-reiches Cannabis kultiviert. Dadurch graten alte Landrassen in Gefahr geraten ungewollt mit modernen Hybriden gekreuzt zu werden.

Landrassen finden nicht zuletzt auch wegen ihrer ganz speziellen Anforderungen an den jeweiligen Heimatstandort und oft überdurchschnittlichen langen Wachstumgs- und Blütenphasen auch bei vielen Growern selten gefallen, am wenigsten bei den kommerziellen Kultivierern, die meist möglichst viel schnelles Geld verdienen wollen. Eine weitere Rolle dürft auch die Zahlungsbereitschaft der Konsumenten sein, die eher günstiges Marihuana bevorzugen.

Dennoch wurde unlängst CBD als äußerst wertvolle, sekundären Cannabiskomponenten wiederentdeckt. Dies hat jüngst zur Einführung von neuen CBD-reichen Cannabis-Sorten geführt, nicht zuletzt aufgrund des hohen medizinische Potenzials von CBD auf wirtschaftlich ein großer Faktor sind, vor allem im medizinischen Bereich.

Doch auch die Stimmen von neuen und alten Cannabis-Kennern werden lauter, alte Sorten mit ihren einzigartigen Wirkstoff- und Aromaprofilen doch irgendwie wiederzubeleben. Ambitionierte Zücher gehen daher immer Wieder auf die Suche nach unentdeckten oder verlorgen gelaubten Lanrassen – ein Hoffnungsschimmer für alle qualitätsorientierten Grower, Züchter und Cannabisseure.

Ausgewählte, kommerziell verfügbare Landrassen-Sorten

Auch wenn ein identisches Wirkstoffprofil wie von der Natur vorgesehen nur am Ursprungsort einer Landrasse auffindaber und möglich ist, für wahre Genießer und Cannabis-Liebhaber muss der Genuss einer reinen Landrasse kein unerfüllter Wunschtaum bleiben.

Trotz Jahrzehntelanger Selektion konnten einige ursprüngliche Landrassen erhalten bzw. wiederentdeckt werden. Hier sind nur ein paar aus den verschiedensten Regionen der Welt aufgezählt:

  • Wild Thailand (World of Seeds) – reine Sativa-Landrasse aus Thailand
  • Honduras (Ace Seeds) – reine Sativa-Landrasse aus Honduras
  • Pakistan Chitral Kush (Ace Seeds) – reine Kush-Landrasse aus Pakistan
  • Original Afghani #1 – reine Afghanica-Landrassen aus Afghanistan

Wie du deutlich erkennen kannst, wurde hier jede Landrassen-Sorte nach ihrer heimischen oder adoptierten Region (z. B. Thai oder Afghani) benannt. Allerdings sind auch diese Sorten nicht mehr im Heimatland weitergezüchtet worden, sondern irgendwann nach Holland, Spanien, die USA oder Kanada gebrocht worden und dort unter künstlichen Bedingungen weitervermehrt worden.

Dennoch, reinere Sorten wie diese komerziell verfügbaren Landrasse-Sorten, wirst du wahrscheinlich nur in den wirklichen Ursprungsländern finden – die entsprechenden Risiken dort dürften dir vermutlich bekannt sein, denn die guten alten Hippie-Zeiten wo man noch mit dem Bulli nach Afghanistan fahren konnte, sind leider vorbei.