Cannabis trainieren: Topping, LST und SCROG einfach erklärt

Cannabispflanzen mit LST, Topping und SCROG als verschiedene Methoden des Pflanzentrainings

Cannabispflanzen wachsen von Natur aus bevorzugt nach oben. In einer Growbox ist das nicht immer ideal: Die Höhe ist begrenzt und eine einzelne hohe Pflanze nutzt die beleuchtete Fläche oft schlechter als eine breitere, gleichmäßig aufgebaute Pflanze.

Mit Pflanzentraining lässt sich die Wuchsform gezielt verändern. Besonders verbreitet sind Low Stress Training (LST), Topping und Screen of Green (SCROG). Welche Methode sinnvoll ist, hängt vor allem davon ab, wie viel Platz vorhanden ist und wie stark du in das Wachstum eingreifen möchtest.

Warum Cannabis trainieren?

Der Haupttrieb einer Cannabispflanze wächst normalerweise stärker als die Seitentriebe. Dieses natürliche Wachstum wird als Apikaldominanz bezeichnet.

Beim Training wird diese Wuchsform verändert. Triebe werden beispielsweise heruntergebogen oder die oberste Triebspitze wird entfernt. Dadurch können sich mehrere Seitentriebe stärker entwickeln und die Pflanze wächst breiter statt hauptsächlich in die Höhe.

Für Indoor-Grows hat das einen praktischen Vorteil: Eine flachere und gleichmäßigere Pflanzenfläche lässt sich unter einer Growlampe meist besser verteilen.

Training bedeutet allerdings nicht automatisch mehr Ertrag. Sorte, Beleuchtung, Pflanzengröße, Wachstumsdauer und weitere Bedingungen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.

LST – Triebe biegen statt schneiden

Beim Low Stress Training (LST) werden Haupt- und Seitentriebe vorsichtig nach außen oder unten gebogen und fixiert. Die Pflanze wird dabei nicht beschnitten.

Statt eines einzelnen hohen Haupttriebs entsteht nach und nach eine breitere Pflanze mit mehreren Triebspitzen auf ähnlicher Höhe. Dadurch lässt sich besonders in niedrigen Growboxen die vorhandene Fläche besser nutzen.

LST kann in der Wachstumsphase schrittweise angepasst werden, solange die Triebe noch ausreichend biegsam sind. Häufig wird die Methode später auch mit Topping oder einem SCROG-Netz kombiniert.

Der große Unterschied zum Topping: Beim LST wird die Pflanze hauptsächlich geformt, während beim Topping ein Teil des Haupttriebs entfernt wird.

Topping – den Haupttrieb teilen

Beim Topping wird die oberste Triebspitze entfernt. Dadurch verliert der zentrale Haupttrieb seine dominante Stellung und darunterliegende Seitentriebe können stärker weiterwachsen.

Aus einer deutlich nach oben gerichteten Pflanze entsteht so eine stärker verzweigte Wuchsform mit mehreren kräftigen Trieben.

Topping und LST lassen sich gut miteinander verbinden: Nach dem Topping können die neu entstehenden Haupttriebe seitlich geführt werden. So lässt sich die Pflanze noch gleichmäßiger über die verfügbare Fläche verteilen.

SCROG – Triebe über eine Fläche verteilen

SCROG steht für Screen of Green. Dabei wird über den Pflanzen ein waagerechtes Netz gespannt, an dem die Triebe über die Growfläche verteilt werden.

Das Netz dient nicht einfach als Stütze. Während die Pflanzen wachsen, werden die Triebe so geführt, dass möglichst viele Spitzen eine ähnliche Höhe erreichen. Dadurch entsteht eine breite, relativ gleichmäßige Pflanzenfläche.

SCROG eignet sich besonders, wenn wenige Pflanzen eine größere Fläche ausfüllen sollen. Häufig werden die Pflanzen vorher getoppt oder mit LST verbreitert.

Das eigentliche Prinzip ist also einfach:

Topping erzeugt mehr Verzweigung, LST lenkt die Triebe und SCROG verteilt sie über die verfügbare Fläche.

Welche Trainingsmethode passt zu deinem Grow?

Ziel Geeignete Methode
Pflanzenhöhe begrenzen LST
Mehr kräftige Seitentriebe entwickeln Topping
Growfläche gleichmäßig ausfüllen SCROG
Wenige Pflanzen breit wachsen lassen Topping + LST oder SCROG
Viele kleinere Pflanzen auf derselben Fläche SOG

Die Methoden schließen sich nicht gegenseitig aus. Gerade Topping, LST und SCROG werden häufig miteinander kombiniert.

SOG und SCROG sind nicht dasselbe

Sea of Green (SOG) und Screen of Green (SCROG) klingen ähnlich, verfolgen aber unterschiedliche Ansätze.

Beim SCROG werden wenige größere Pflanzen durch Training über eine Fläche verteilt. Beim SOG wird die Fläche dagegen mit mehreren kleineren Pflanzen und meist einer kurzen Wachstumsphase gefüllt.

SOG ist deshalb weniger eine einzelne Trainingstechnik als eine Anbaustrategie mit höherer Pflanzendichte.

Weitere Trainingsmethoden

Daneben gibt es Methoden wie FIMing, Supercropping oder Mainlining. Sie greifen stärker oder mehrfach in den Pflanzenaufbau ein und sind für die grundlegende Platzoptimierung nicht unbedingt notwendig.

Mainlining kombiniert beispielsweise Topping mit anschließendem Formen und Fixieren der Triebe, um eine besonders gleichmäßige Pflanzenstruktur aufzubauen.

Für die meisten Growboxen reichen LST, Topping oder die Kombination mit einem SCROG-Netz aus, um das Wachstum gezielt in die Breite zu lenken.

Autoflower-Pflanzen zurückhaltender trainieren

Bei Autoflower-Sorten ist das Zeitfenster für die Wachstumsphase meist kürzer. Stärkere Eingriffe lassen der Pflanze deshalb weniger Zeit, sich vor der Blüte weiterzuentwickeln.

Wer Autoflower-Pflanzen trainieren möchte, setzt deshalb häufig eher auf vorsichtiges LST als auf mehrere starke Eingriffe. Entscheidend ist dabei weniger eine feste Regel als die Entwicklung und Vitalität der jeweiligen Pflanze.

Quellen