Cannabisreste verwerten: Butter, Öl und Tinkturen

Selbst gemachtes Cannabis-Kokosöl, Cannabutter und Olivenöl-Extrakt in einer Pipettenflasche neben getrockneten Cannabis-Trimmresten

Nach der Cannabisernte bleiben oft Zuckerblätter, kleine Blüten, größere Blätter und Stängel übrig. Auch bereits verdampftes Cannabis oder ausgepresste Blüten aus der Rosin-Herstellung müssen nicht zwangsläufig weggeworfen werden.

Viele dieser Reste enthalten noch Cannabinoide, die sich für Cannabutter, Kokosöl, Olivenöl-Extrakte oder Tinkturen nutzen lassen. So kannst du mehr aus deiner Ernte machen und vorhandenes Pflanzenmaterial sinnvoll verwerten.

Welche Cannabisreste sich weiterverarbeiten lassen

Besonders interessant sind die harzigen Pflanzenteile, denn dort befinden sich die meisten Cannabinoide.

  • Zuckerblätter: Kleine, harzige Blätter rund um die Blüten. Gut für Butter und Öl.
  • Popcorn-Buds: Kleine Blüten, die beim Ernten und Trimmen anfallen.
  • Fächerblätter: Weniger harzig, können aber bei Cannabutter mitverwendet werden.
  • Stiele und Stängel: Wenig ergiebig, lassen sich zerkleinert mitverarbeiten.
  • Vaporizerreste: Bereits verdampftes Cannabis, das häufig noch Wirkstoffe enthält.
  • Rosin-Pressreste: Gepresste Blüten, die noch Harz enthalten können.
  • Reste der Haschischherstellung: Je nach Verfahren ebenfalls verwendbar.

Das Material sollte für diese Verfahren gut getrocknet sein. Schimmelige oder verdorbene Pflanzenreste gehören nicht in Butter oder Öl.

Cannabis-Olivenöl-Extrakt herstellen

Olivenöl eignet sich, um Cannabinoide aus getrockneten Blüten, kleinen Buds und harzigen Zuckerblättern herauszulösen. Eine wissenschaftlich untersuchte Methode besteht aus zwei Schritten: Zuerst wird das Pflanzenmaterial im Backofen aktiviert, anschließend werden die Cannabinoide im warmen Olivenöl gelöst.

Cannabis im Backofen aktivieren

In frischen und getrockneten Cannabisblüten liegt THC überwiegend als THCA vor. Durch Erhitzen entsteht daraus THC. Diesen Vorgang nennt man Decarboxylierung. Eine untersuchte Methode verwendet dafür 115 °C für 40 Minuten:

  1. Getrocknete Blüten oder harzige Trimmreste grob zerkleinern.
  2. In ein geeignetes hitzebeständiges Gefäß geben.
  3. Bei 115 °C etwa 40 Minuten im Backofen erhitzen.
  4. Abkühlen lassen und anschließend feiner zerkleinern.

Olivenöl im Wasserbad zubereiten

Benötigt werden: 5 g vorbereitetes Cannabis, 50 ml Olivenöl, ein hitzebeständiges Gefäß, ein Topf mit Wasser, ein feines Sieb oder Filtertuch und eine saubere dunkle Glasflasche.

  1. Das aktivierte Cannabis mit dem Olivenöl vermischen.
  2. Die Mischung in einem geeigneten Gefäß im Wasserbad erhitzen.
  3. Bei ungefähr 100 °C für 40 Minuten ziehen lassen.
  4. Die Pflanzenbestandteile durch ein Sieb oder Filtertuch entfernen.
  5. Das fertige Öl in eine saubere Glasflasche abfüllen.

Diese Methode basiert auf einer wissenschaftlichen Untersuchung der Universität Mailand. Die Originalstudie und eine deutschsprachige Zusammenfassung sind im Quellenverzeichnis verlinkt.

Anstelle von Olivenöl lässt sich grundsätzlich auch MCT-Öl als Trägeröl nutzen. Das fertige Öl eignet sich für Speisen oder als Grundlage für äußerlich angewendete Zubereitungen.

Cannabutter und Kokosöl aus Ernteresten herstellen

Wenn größere Mengen gemischter Pflanzenreste anfallen, ist die klassische Wasser-Fett-Methode praktisch. Die Reste werden mit Wasser und Butter oder Kokosöl erhitzt. Die Cannabinoide lösen sich hauptsächlich im Fett, während das Wasser das Anbrennen verhindert.

Butter, Kokosöl oder Ghee

  • Butter: Gut zum Backen und Kochen, aber begrenzt haltbar.
  • Kokosöl: Vielseitig, als Fett lagerstabil und auch für Hautpflegeprodukte interessant.
  • Ghee: Geklärte Butter mit wenig Wasser und Milchbestandteilen.

Cannabutter im Kochtopf herstellen

Benötigt werden: Getrocknete Cannabis- und Trimmreste, Butter, Kokosöl oder Ghee, Wasser, ein Topf, ein Sieb oder Filtertuch und ein Gefäß zum Abkühlen.

  1. Vorbereiten: Pflanzenreste zerkleinern. Nicht bereits erhitztes Material für eine bessere THC-Ausbeute vorher wie oben beschrieben decarboxylieren.
  2. Erhitzen: Wasser und Fett in einem Topf erwärmen, dann das Pflanzenmaterial hinzugeben.
  3. Köcheln: Bei geringer Hitze ungefähr 2–3 Stunden ziehen lassen. Gelegentlich umrühren und bei Bedarf Wasser nachfüllen.
  4. Abseihen: Die Mischung durch ein Sieb oder Filtertuch abgießen und die Reste vorsichtig ausdrücken.
  5. Abkühlen: Die Flüssigkeit nach dem Abkühlen über Nacht in den Kühlschrank stellen.
  6. Trennen: Die erstarrte Fettschicht von der Wasseroberfläche lösen und Wasser- oder Pflanzenreste auf der Unterseite entfernen.
  7. Lagern: In saubere Behälter füllen und im Kühlschrank oder Gefrierfach aufbewahren.

Auch Fächerblätter und zerkleinerte Stängel können mitgekocht werden, obwohl sie nur wenig zur Wirkstoffausbeute beitragen. Die fertige Butter oder das Kokosöl eignet sich zum Kochen und Backen.

Vaporizerreste weiterverwenden

Wenn du Cannabis im Vaporizer verdampfst, bleibt braunes Pflanzenmaterial zurück. Darin können noch Cannabinoide stecken. Durch die Erhitzung im Vaporizer wurde es bereits teilweise oder weitgehend aktiviert, sodass eine zusätzliche Erhitzung im Backofen häufig nicht nötig ist.

Die Reste lassen sich für Cannabutter, Kokosöl, Olivenöl-Extrakte und auch alkoholische Tinkturen verwenden. Du kannst dafür die beschriebenen Verfahren nutzen. Wie ergiebig das ist, hängt davon ab, wie intensiv das Material zuvor verdampft wurde. Der Geschmack kann etwas kräftiger oder bitterer ausfallen.

Rosin- und Haschischreste erneut verwerten

Bei der Herstellung von Haschisch und Rosin bleiben ebenfalls Pflanzenreste übrig. Besonders interessant sind flach gepresste Blüten aus der Rosin-Presse: Sie können noch Harz enthalten und lassen sich für Cannabutter oder Ölauszüge nutzen.

Auch die Reste der Haschischherstellung eignen sich je nach Verarbeitung für eine zweite Verwendung. Entscheidend ist, dass das Material sauber, trocken und nicht verdorben ist.

Alkoholische Cannabis-Tinkturen herstellen

Bei einer alkoholischen Tinktur dient Ethanol als Lösungsmittel, das Cannabinoide aus dem Pflanzenmaterial aufnimmt. Geeignet sind getrocknete Blüten, harzige Zuckerblätter, kleine Blütenreste und bereits verdampftes Cannabis.

Wenn der Auszug überwiegend THC statt THCA enthalten soll, wird noch nicht erhitztes Pflanzenmaterial vorher decarboxyliert. Dafür bietet sich die oben beschriebene Vorbereitung im Backofen an.

Bei der klassischen Herstellung wird das vorbereitete Pflanzenmaterial mit geeignetem lebensmitteltauglichem Ethanol angesetzt. Nach der Extraktion filtert man die festen Bestandteile heraus und füllt die Flüssigkeit in geeignete Glasflaschen.

Hochprozentiger Alkohol ist leicht entzündlich: Er gehört nicht in ein heißes Wasserbad oder auf eine Herdplatte. Auch das eigenständige Eindampfen ist ohne geeignete Ausrüstung keine gute Idee.

Verwendung und Aufbewahrung

Kochen und Backen

Butter und Kokosöl lassen sich in unterschiedliche Speisen einarbeiten, ebenso geeignete Olivenöl-Extrakte. Da selbst hergestellte Zubereitungen unterschiedlich stark ausfallen können und die Wirkung beim Essen verzögert einsetzt, solltest du die Menge vorsichtig einschätzen. Weitere Informationen findest du im Ratgeber Cannabis essen und trinken.

Kosmetische Verwendung

Kokosöl und Olivenöl können auch als Basis für Hautpflegeprodukte dienen, etwa Balsame oder Körperöle. Mehr dazu erfährst du unter Cannabis äußerlich anwenden.

Lagerung und Haltbarkeit

  • Cannabutter: Kühlen oder portionsweise einfrieren.
  • Kokosöl und Ghee: Nach einer Wasser-Fett-Extraktion möglichst kühl lagern.
  • Olivenöl-Extrakte: In dunklen Glasflaschen kühl und lichtgeschützt aufbewahren.
  • Alkoholische Tinkturen: Dicht verschlossen und lichtgeschützt lagern.

Bei wasserbasierten Herstellungsverfahren sollte möglichst keine Restfeuchtigkeit im fertigen Fett bleiben. Weitere Tipps findest du im Artikel Cannabis richtig lagern.

Fazit: Cannabisreste sinnvoll nutzen

Für die Resteverwertung brauchst du keine teure Ausrüstung. Butter, Kokosöl und Olivenöl bieten praktische Möglichkeiten, Trimmreste, kleine Blüten und größere Blätter weiterzuverarbeiten. Auch bereits verdampftes Cannabis oder Rückstände aus der Rosin-Herstellung lassen sich häufig erneut verwenden.

Wenn du aus harzigen Blüten oder Zuckerblättern lieber Konzentrate gewinnen möchtest, findest du im Ratgeber Haschisch und Rosin selber herstellen die passenden Methoden und das nötige Zubehör.

Quellen